Warum tiefe Füllungen im Alter häufiger zu einer Wurzelkanalbehandlung führen können
Mit zunehmendem Alter verändert sich nicht nur unser Körper – auch unsere Zähne altern. Eine aktuelle wissenschaftliche Studie zeigt, dass die Zahnpulpa, umgangssprachlich oft als „Zahnnerv“ bezeichnet, im Alter weniger gut auf Schädigungen reagieren und sich schlechter regenerieren kann. Das kann insbesondere bei tiefer Karies und sehr tiefen Füllungen eine Rolle spielen.
Was passiert bei einer tiefen Füllung?
Im Inneren eines Zahnes befindet sich die Zahnpulpa. Sie enthält Blutgefäße, Nervenfasern und Zellen, die wesentlich an der Versorgung und Reparatur des Zahnes beteiligt sind.
Reicht eine Karies sehr tief in Richtung Zahnnerv, ist die Pulpa häufig bereits erheblich gereizt. Bei der Behandlung versuchen wir deshalb, möglichst viel gesunde Zahnsubstanz zu erhalten und den Zahn vital zu halten.
Ob sich der Zahnnerv anschließend wieder vollständig beruhigt, hängt jedoch nicht nur von der Tiefe der Karies ab. Auch die biologische Regenerationsfähigkeit des Zahnes spielt eine Rolle – und diese verändert sich offenbar mit dem Alter.
Was hat die neue Studie herausgefunden?
Forscher der Sichuan University untersuchten, warum ältere Zähne schlechter regenerieren als jüngere. Dabei verglichen sie unter anderem die Zahnpulpa jüngerer Menschen im Alter von 18 bis 40 Jahren mit der von Menschen ab 60 Jahren.
In den älteren Zähnen fanden sie deutliche Veränderungen: Die Pulpa enthielt weniger Zellen, die Struktur der für die Dentinbildung wichtigen Odontoblasten war verändert und es zeigten sich Zeichen einer zunehmenden Alterung des Gewebes.
Im Mittelpunkt der weiteren Untersuchungen stand der Faktor NFATC1. Er spielt bei bestimmten mesenchymalen Stromazellen der Pulpa eine wichtige Rolle. Diese Zellen können zur Bildung neuer Odontoblasten und damit zu Reparaturvorgängen im Zahn beitragen.
Die Forscher konnten im experimentellen Modell zeigen: Geht die NFATC1-Funktion verloren, altern diese Zellen schneller und die Fähigkeit des Zahnes, nach einer Schädigung neues Reparaturdentin zu bilden, nimmt ab.
Die Studie liefert damit einen möglichen biologischen Erklärungsansatz dafür, warum sich ältere Zähne nach einer Schädigung schlechter erholen können.
Was bedeutet das für eine tiefe Füllung?
Bei einer sehr tiefen Karies kann der Zahnnerv bereits geschädigt sein, bevor wir mit der Behandlung beginnen. Ein biologisch junger Zahn kann eine solche Belastung unter günstigen Bedingungen häufig besser kompensieren.
Mit zunehmendem Alter stehen der Pulpa offenbar weniger regenerative Reserven zur Verfügung. Deshalb kann es vorkommen, dass ein älterer Zahn nach einer tiefen Füllung zunächst unauffällig erscheint, sich die Pulpa später aber dennoch irreversibel entzündet oder abstirbt. Dann kann eine Wurzelkanalbehandlung notwendig werden, um den Zahn zu erhalten.
Wichtig: Das bedeutet weder, dass ältere Patienten nach tiefen Füllungen grundsätzlich eine Wurzelkanalbehandlung benötigen, noch dass eine spätere Wurzelkanalbehandlung bedeutet, dass die vorherige Füllung nicht korrekt durchgeführt wurde.
Kann man den Zahnnerv trotzdem erhalten?
Ja. Auch bei älteren Patienten versuchen wir, die Vitalität eines Zahnes zu erhalten, wenn die klinische Situation dies zulässt.
Entscheidend sind unter anderem die Tiefe der Karies, der Zustand der Pulpa, vorhandene Beschwerden sowie die klinischen und röntgenologischen Befunde.
Gerade bei sehr tiefer Karies ist es wichtig zu wissen: Eine Füllung kann dem Zahn die Chance geben, sich zu erholen – eine Garantie dafür gibt es bei einer bereits stark vorgeschädigten Pulpa jedoch nicht.
Unser Fazit
Die aktuelle Forschung zeigt immer deutlicher, dass auch Zähne einem biologischen Alterungsprozess unterliegen. Die Regenerationsfähigkeit der Zahnpulpa nimmt im Alter ab. Das kann erklären, warum ältere Zähne nach tiefer Karies oder sehr tiefen Füllungen mitunter weniger gut ausheilen und später eine Wurzelkanalbehandlung notwendig werden kann.
Unser Ziel ist deshalb eine möglichst frühzeitige, substanzschonende und vitalerhaltende Behandlung, damit der eigene Zahn möglichst lange gesund erhalten werden kann.
