Hafermilch, Mandelmilch oder Sojamilch – welcher Pflanzendrink ist besser für die Zähne?

von | Sep. 17, 2026

Hafermilch im Kaffee, Mandeldrink im Müsli oder Sojamilch als Alternative zur klassischen Kuhmilch: Pflanzliche Milchalternativen gehören für viele Menschen inzwischen ganz selbstverständlich zum Alltag. Doch wie wirken Hafermilch, Mandelmilch und Sojamilch eigentlich auf unsere Zähne, das Zahnfleisch und das orale Mikrobiom?

Eine aktuelle Studie der Universität Bern hat genau das untersucht. Die Forscher verglichen Kuhmilch mit ungesüßtem Hafer-, Mandel- und Sojadrink und analysierten deren Wirkung auf verschiedene Mundbakterien sowie auf kariesassoziierte und parodontale Biofilme.

Das Spannende: Die Pflanzendrinks zeigten sehr unterschiedliche Effekte – und teilweise durchaus interessante Eigenschaften für die Mundgesundheit.

Sind Pflanzendrinks schlecht für die Zähne?

Die kurze Antwort lautet: Nein, so pauschal lässt sich das nicht sagen.

Hafer-, Mandel- und Sojadrinks unterscheiden sich erheblich in ihrer Zusammensetzung. Für die Zahngesundheit spielen unter anderem folgende Faktoren eine Rolle:

  • Zucker- und Kohlenhydratgehalt
  • Häufigkeit des Konsums
  • pH-Wert
  • Mineralstoffgehalt
  • Speichelfluss
  • individuelle Zusammensetzung des oralen Mikrobioms
  • Mundhygiene und persönliches Kariesrisiko

Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen ungesüßten Pflanzendrinks und Produkten mit zugesetztem Zucker. In der aktuellen Untersuchung wurden bewusst ungesüßte Varianten verwendet.

Was wurde in der Studie untersucht?

Die Forscher verglichen:

  • Kuhvollmilch
  • ungesüßten Haferdrink
  • ungesüßten Mandeldrink
  • ungesüßten Sojadrink

Untersucht wurde ihre Wirkung auf einzelne orale Bakterien sowie auf komplexere Biofilme. Dabei betrachteten die Wissenschaftler sowohl kariesassoziierte als auch parodontale Biofilme.

Eine wichtige Rolle spielten beispielsweise Streptococcus mutans, ein bekanntes kariesassoziiertes Bakterium, und Porphyromonas gingivalis, das im Zusammenhang mit Parodontitis von besonderer Bedeutung ist.

Kuhmilch, Hafer-, Mandel- und Sojadrink: die Ergebnisse auf einen Blick

Einen eindeutigen „Gewinner“ gab es nicht. Vielmehr zeigten die einzelnen Getränke unterschiedliche Effekte auf Bakterien und Biofilme.

Getränk Auffällige Beobachtung in der Studie
Kuhmilch Günstige Effekte auf verschiedene Parameter kariesassoziierter und parodontaler Biofilme
Haferdrink Besonders interessante Effekte auf den parodontalen Biofilm und Hemmung des Wachstums von P. gingivalis
Mandeldrink Weniger lebensfähige Bakterien im Kariesmodell und Hemmung bestimmter Gingipaine von P. gingivalis
Sojadrink Reduzierte Biofilmmasse und -aktivität im Kariesmodell sowie Hinweise auf einen immunmodulierenden Effekt

Haferdrink: interessant für den parodontalen Biofilm

Der untersuchte Haferdrink reduzierte im parodontalen Biofilmmodell sowohl die Zahl lebensfähiger Bakterien als auch deren metabolische Aktivität.

Darüber hinaus wurde im Labor das Wachstum verschiedener Stämme von Porphyromonas gingivalis gehemmt. Dieses Bakterium spielt bei der Entstehung und dem Fortschreiten einer Parodontitis eine wichtige Rolle.

Mandeldrink: Effekt auf bakterielle Enzyme

Beim Mandeldrink beobachteten die Forscher unter anderem eine Verringerung lebensfähiger Bakterien im kariesassoziierten Modell.

Besonders interessant war die Wirkung auf sogenannte Gingipaine. Das sind Enzyme von Porphyromonas gingivalis, die zu dessen krankheitsfördernden Eigenschaften beitragen. Im Labor konnte der untersuchte Mandeldrink die Aktivität bestimmter Gingipaine hemmen.

Sojadrink: weniger Biofilmaktivität

Der Sojadrink reduzierte im kariesassoziierten Biofilm sowohl dessen Masse als auch seine metabolische Aktivität.

Zusätzlich beobachteten die Forscher eine erhöhte Freisetzung von Interleukin-10 (IL-10), einem entzündungsregulierenden Botenstoff. Die Autoren diskutieren deshalb einen möglichen immunmodulierenden Effekt.

Und die Kuhmilch?

Auch klassische Kuhmilch zeigte in mehreren Versuchen günstige Effekte auf die untersuchten Biofilme. Sie reduzierte unter anderem Biofilmmasse und metabolische Aktivität im kariesassoziierten Modell und zeigte auch beim parodontalen Biofilm interessante Wirkungen.

Bedeutet das: Am besten zwischen verschiedenen Pflanzendrinks wechseln?

Das ist ein interessanter Gedanke – und aus unserer Sicht spricht durchaus einiges für Abwechslung statt der Suche nach dem einen „besten“ Pflanzendrink.

Hafer-, Mandel- und Sojadrinks unterscheiden sich nicht nur in ihrer Nährstoffzusammensetzung. Auch in der aktuellen Untersuchung zeigten sie unterschiedliche biologische Effekte.

Wer Pflanzendrinks gerne mag, kann daher durchaus zwischen verschiedenen ungesüßten Varianten wechseln, anstatt sich ausschließlich auf eine Sorte festzulegen.

Allerdings ist eine wichtige Einschränkung notwendig: Bisher ist nicht nachgewiesen, dass sich die im Labor beobachteten positiven Effekte durch einen Wechsel der Drinks beim Menschen tatsächlich kombinieren lassen. Die aktuelle Untersuchung liefert interessante Hinweise, aber keine klinische Empfehlung nach dem Motto: „Heute Hafer, morgen Mandel, übermorgen Soja schützt die Zähne besser.“

Aus ernährungsphysiologischer Sicht kann Abwechslung dennoch sinnvoll sein, da sich die Produkte hinsichtlich Protein, Kohlenhydraten, Mineralstoffen und weiteren Inhaltsstoffen unterscheiden.

Worauf sollte man bei Pflanzendrinks für die Zähne achten?

Für den Alltag sind einige Punkte wahrscheinlich wichtiger als die Frage, ob Hafer-, Mandel- oder Sojadrink im Labor bei einem bestimmten Bakterium am besten abgeschnitten hat.

1. Möglichst ungesüßte Varianten wählen

„Ohne Zuckerzusatz“ bedeutet allerdings nicht automatisch „zuckerfrei“.

Gerade bei Haferdrinks kann während der Herstellung ein Teil der enthaltenen Stärke in kleinere Zuckerbausteine zerlegt werden. Deshalb lohnt sich immer ein Blick auf die Nährwertangaben.

2. Nicht ständig über den Tag verteilt trinken

Für das Kariesrisiko ist nicht nur entscheidend, wie viel Zucker oder fermentierbare Kohlenhydrate wir aufnehmen, sondern auch, wie häufig unsere Zähne damit in Kontakt kommen.

Ein Hafermilchkaffee, der über mehrere Stunden am Schreibtisch immer wieder in kleinen Schlucken getrunken wird, ist daher aus zahnmedizinischer Sicht anders zu bewerten als derselbe Kaffee, der einmal zum Frühstück getrunken wird.

3. Bei Milchersatz auch auf Calcium achten

Wer Pflanzendrinks gelegentlich trinkt, muss daraus keine Wissenschaft machen. Werden sie jedoch regelmäßig anstelle von Kuhmilch verwendet, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Nährstoffzusammensetzung.

Neben einem möglichst niedrigen Zuckergehalt können beispielsweise Calciumanreicherung und Proteingehalt wichtige Auswahlkriterien sein.

Ein Produkt wird nicht automatisch zur zahngesunden Wahl, nur weil es in einer Laborstudie einen interessanten Effekt auf ein bestimmtes Bakterium gezeigt hat.

Ist Kuhmilch besser für die Zähne als Pflanzenmilch?

Auch diese Frage lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten.

Kuhmilch enthält natürlicherweise unter anderem Calcium, Phosphat und Milchproteine und besitzt damit aus zahnmedizinischer Sicht interessante Eigenschaften. Auch in der aktuellen Studie zeigte sie bei mehreren untersuchten Biofilmparametern günstige Effekte.

Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder Mensch Kuhmilch trinken sollte oder Pflanzendrinks grundsätzlich schlechter für die Zähne sind.

Die aktuelle Untersuchung zeigt vielmehr, wie unterschiedlich Lebensmittel mit unserem oralen Mikrobiom interagieren können.

Wichtig: Laborergebnisse sind noch keine Therapieempfehlung

Bei allen interessanten Ergebnissen darf ein entscheidender Punkt nicht vergessen werden: Bei der Untersuchung handelt es sich um eine In-vitro-Studie.

Die Experimente fanden also unter kontrollierten Laborbedingungen statt und nicht im Mund von Patienten.

Im menschlichen Mund kommen zahlreiche weitere Faktoren hinzu: Speichel, Mundhygiene, Ernährung, Trinkhäufigkeit, individuelle Bakterienzusammensetzung und viele weitere Einflüsse.

Aus den Ergebnissen lässt sich deshalb nicht ableiten, dass Haferdrink vor Parodontitis schützt, Mandeldrink bestimmte parodontale Bakterien therapeutisch bekämpft oder Sojadrink Karies verhindert.

Die Studie liefert vielmehr spannende Ansatzpunkte für weitere Forschung.

Unser Fazit: Welcher Pflanzendrink ist am besten für die Zähne?

Den einen besten Pflanzendrink für die Zähne gibt es nach aktuellem Wissensstand nicht.

Die neue Studie zeigt, dass Kuhmilch sowie Hafer-, Mandel- und Sojadrinks im Labor unterschiedliche Effekte auf Mundbakterien und orale Biofilme haben können.

Wer gerne pflanzliche Milchalternativen verwendet, kann durchaus zwischen verschiedenen ungesüßten Produkten wechseln. Ob sich dadurch die unterschiedlichen, im Labor beobachteten Effekte tatsächlich kombinieren lassen, ist bislang allerdings nicht untersucht.

Für die Zahngesundheit sind im Alltag vor allem diese Punkte entscheidend:

  • möglichst wenig zugesetzter Zucker
  • kohlenhydrathaltige Getränke nicht ständig über den Tag verteilt trinken
  • bei regelmäßigem Milchersatz auf die Nährstoffzusammensetzung und insbesondere Calcium achten
  • konsequente Mundhygiene und regelmäßige Prophylaxe
  • individuelle Karies- und Parodontitisrisiken berücksichtigen

Denn wie so häufig in der Ernährung gilt auch für unsere Mundgesundheit: Nicht ein einzelnes Lebensmittel entscheidet – sondern das Zusammenspiel aus Ernährung, Gewohnheiten, oralem Mikrobiom und guter Mundhygiene.

Häufige Fragen zu Hafermilch, Pflanzenmilch und Zähnen

Ist Hafermilch schlecht für die Zähne?

Nicht grundsätzlich. Entscheidend sind unter anderem der Zucker- und Kohlenhydratgehalt sowie die Häufigkeit des Konsums. In der aktuellen Laborstudie zeigte der untersuchte ungesüßte Haferdrink sogar interessante Effekte auf einen parodontalen Biofilm. Daraus lässt sich jedoch keine Schutzwirkung vor Parodontitis beim Menschen ableiten.

Welche Pflanzenmilch ist am besten für die Zähne?

Nach aktuellem Forschungsstand lässt sich weder Hafer-, Mandel- noch Sojadrink eindeutig als zahngesündeste Alternative bezeichnen. Die verschiedenen Drinks zeigten in der aktuellen Studie unterschiedliche biologische Effekte. Im Alltag sind insbesondere Zuckergehalt, Konsumhäufigkeit und Nährstoffzusammensetzung wichtig.

Sollte man zwischen Hafer-, Mandel- und Sojamilch wechseln?

Abwechslung kann aus ernährungsphysiologischer Sicht sinnvoll sein, da sich die Pflanzendrinks in ihrer Zusammensetzung unterscheiden. Auch in der aktuellen Laborstudie zeigten sie unterschiedliche Effekte auf Mundbakterien und Biofilme. Ob sich diese Effekte durch einen regelmäßigen Wechsel beim Menschen tatsächlich ergänzen, ist bislang jedoch nicht untersucht.

Ist ungesüßte Hafermilch zuckerfrei?

Nicht unbedingt. „Ungesüßt“ beziehungsweise „ohne Zuckerzusatz“ bedeutet nicht automatisch, dass ein Getränk keinen Zucker enthält. Bei der Verarbeitung von Hafer kann Stärke teilweise in kleinere Zuckerbausteine zerlegt werden. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die Nährwertangaben.

Kann Pflanzenmilch Karies verursachen?

Karies entsteht nicht durch ein einzelnes Lebensmittel. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Biofilm, fermentierbaren Kohlenhydraten, Speichel, Mundhygiene und Konsumhäufigkeit. Aus zahnmedizinischer Sicht ist insbesondere häufiges schluckweises Trinken kohlenhydrathaltiger Getränke über den ganzen Tag ungünstig.

Ist Mandelmilch gut bei Parodontitis?

Eine solche Empfehlung lässt sich aus der bisherigen Forschung nicht ableiten. Der untersuchte Mandeldrink hemmte im Labor bestimmte bakterielle Enzyme von Porphyromonas gingivalis. Ob daraus beim Menschen ein klinisch relevanter Vorteil entsteht, ist nicht geklärt.

Wissenschaftliche Grundlage

Stähli A, Baysal R, Sluga A et al. The in-vitro effect of bovine milk, and plant-based alternatives on oral microorganisms and biofilms. Scientific Reports. 2026;16:18839. DOI: 10.1038/s41598-026-49386-2.